Krypto-ETVs: Verlieren Bitcoin-ETFs an Attraktivität? Der wahre Wettlauf um Ethereum beginnt
Während institutionelle Anleger aus Bitcoin-ETFs abfließen, lockt Ethereum mit Staking-Renditen – und die Geldpolitik der Fed könnte den Trend beschleunigen
1. Bitcoin-ETVs: Die großen Abflüsse – was steckt dahinter?
Seit Anfang November steht etwas Bemerkenswertes im Finanzkalender: Bitcoin-ETFs verzeichnen massive Abflüsse. Allein am 4. November waren es 566 Millionen US-Dollar, die aus den Produkten abgezogen wurden – und das bereits sechs Tage in Folge. Was ist da los?
Zum einen ist klar: Bitcoin-ETVs (Exchange-Traded Products) haben in den letzten Monaten massiv an Beliebtheit gewonnen, besonders bei institutionellen Anlegern. Aber jetzt scheint ein Teil dieses Geldes woanders hinzufließen.
Interessant ist: Wohin genau? Ein Teil des Geldes fließt in andere Krypto-Produkte, besonders Ethereum-ETVs. Diese verzeichnen nämlich – trotz der aktuellen Abflüsse bei Bitcoin – weiterhin Zuflüsse. Das ist bemerkenswert, denn Ethereum-ETVs sind in der EU bereits handelbar, in den USA aber noch nicht vollständig zugelassen. Die US-Börsenaufsicht SEC hat ihre Entscheidung zu Ethereum-ETVs mit Staking-Funktion noch vertagt. Trotzdem: Institutionelle scheinen hier bereits umzuschichten.
Warum? Das hat mit Rendite zu tun – und mit der Geldpolitik der US-Notenbank.
2. Staking als Renditequelle: Warum Ethereum-ETVs attraktiver sein könnten als Bitcoin-ETVs
Stellen wir uns kurz folgendes vor: Ein Bitcoin-ETV bildet den Kurs von Bitcoin ab. Wenn du also 100 Euro investierst und Bitcoin steigt um 10 %, hast du 110 Euro. Fällt er um 10 %, sind es 90 Euro. Mehr nicht. Das ist bei Exchange-Traded Products normal.
Anders könnte es bei Ethereum-ETVs mit Staking-Funktion aussehen. Staking bedeutet, dass du deine gehaltenen Ethereum aktivieren und damit am Netzwerk beteiligen kannst. Dafür wirst du belohnt – mit Zinsen. In der Finanzwelt spricht man hier von “Staking-Rendite”.
In der Praxis könnte das bedeuten: Ein Ethereum-ETV bildet nicht nur den Kurs von Ethereum ab, sondern ermöglicht es, dass der Emittent des ETVs die Ethereum hält und staked. Die dadurch erwirtschafteten Erträge – klassisch wären das Zinsen – werden an den Anleger weitergegeben. Konkret hieße das: Selbst wenn der Kurs von Ethereum also stagniert, könnte dein Investment noch Rendite abwerfen, einfach weil das Staking Erträge liefert.
In Zeiten niedriger Zinsen sind solche Renditequoten besonders attraktiv. Und hier kommt die Fed ins Spiel.
3. Fed senkt Zinsen – und macht Staking-ETVs zu Konkurrenzprodukten für traditionelle Anlagen
Die US-Notenbank hat die Zinsen im Oktober erneut gesenkt – auf nunmehr 3,75–4,00 %. Das ist immer noch hoch, aber deutlich niedriger als noch vor einem Jahr. Warum ist das wichtig?
Weil institutionelle Anleger stets mehrere Ziele verfolgen:
– Sicherheit
– Rendite
– Liquidität
– Und weitere Faktoren
In einer Welt, in der die Inflation sinkt, aber immer noch oberhalb der Zinsen liegt, wird Geld auf dem Konto weiterhin entwertet. Klassisch weichen Anleger dann auf andere Anlageklassen aus: Aktien, Anleihen oder – und das ist neu – Krypto-ETVs mit Staking-Funktion.
Denn diese bieten:
– Eine Partizipation an der Kursentwicklung des Assets (hier: Ethereum)
– Zugleich eine regelmäßige Rendite (hier: Staking-Erträge)
– Und sie tun das in Form eines regulated, handelbaren Finanzprodukts, das in den USA inzwischen bereits an der NYSE notiert werden könnte.
Das ist der Grund, warum institutionelles Kapital aus Bitcoin-ETVs in Ethereum-ETVs umgeschichtet wird: Letzere bieten Rendite unabhängig vom Kurs – und genau das macht sie in unsicheren Zeiten attraktiv.
4. Was bedeutet das für den Markt? Ein offener Ausblick.
Die Entwicklung zeigt: Finanzinnovation folgt den Bedürfnissen des Marktes. Wenn Anleger Rendite bei möglichst geringem Risiko fordern, dann entwickeln Banken und Emittenten Produkte, die genau das bieten. Genau das passiert mit Krypto-ETVs.
– Sie bieten Exposure zu Krypto
– Sie bieten aber auch eine Art Zins, der in anderen Produkten nicht gegeben ist.
Das ist clever, denn:
1. In Zeiten hoher Zinsen sind Staking-Erträge unattraktiv, weil risikofreie Anleihen das Gleiche bieten – nur sicherer.
2. In Zeiten niedriger Zinsen steigt die Attraktivität von Staking-ETVs, weil Anleger sonst kaum Rendite bekommen.
Genau das ist jetzt der Fall: Die Fed senkt die Zinsen, was:
– Traditionelle Anlagen wie Anleihen werden unattraktiver.
– Staking-ETVs werden attraktiver, da die Staking-Rendite oberhalb der Zinsen liegen kann.
Gleichzeitig bleiben Krypto-ETVs hochvolatil – aber sie bieten einen Mehrwert, den andere Anlagen nicht bieten.
Fazit: Staking-ETVs könnten der nächste Schritt sein
Die Zahlen sprechen für sich: Während Bitcoin-ETVs Abflüsse verzeichnen, verzeichnen Ethereum-ETVs weiterhin Zuflüsse. Das passiert, obwohl:
– Ethereum-ETVs in den USA noch nicht für den Spot-Markt zugelassen sind (nur Futures)
– Staking noch nicht erlaubt ist.
Trotzdem scheint institutionelles Kapital die Produkte zu favorisieren. Warum? Weil Anleger verstehen, dass Staking ein Feature ist, das Rendite unabhängig vom Kurs liefern kann.
Sollte die Fed die Zinsen weiter senken – was aufgrund der fallenden Inflation und der moderaten Wirtschaftsdaten möglich ist – dürfte dieser Trend weitergehen. Dann werden Staking-ETVs zu ernsthafter Konkurrenz für:
– Traditionelle Anleihen
– Aktien, die keine Dividende zahlen
– Und andere Assets, die keine stetige Rendite bieten.
In der Praxis könnte das bedeuten, dass Krypto-ETVs nicht nur Spekulation, sondern auch Rendite-optimierung bieten. Das wäre ein Wendepunkt für die breite Akzeptanz.
Und was denkt ihr? Seht ihr Staking-ETVs als logischen nächsten Schritt – oder bleibt es bei Hype?
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