Warum ich mein Portfolio nicht mehr auf „innovative“ Finanzprodukte setze – und was die EU-Reform damit zu tun hat
Letzte Woche saß ich im Büro und habe mich durch die neuen MiFIR-II-Änderungen gewühlt. Konkret: Ab 2025 gibt es neue Transparenz-Regeln für Derivate und Bonds. Mein erster Gedanke: “Super, noch mehr Bürokratie – genau was wir brauchen.” Aber dann.
Die Sache mit der Illusion der Sicherheit
Die neue Verordnung will mehr Transparenz: Preise für Anleihen und Derivate sollen transparenter werden, Handelsdaten offengelegt. Klingt gut, oder? Mehr Informationen müssen doch mehr Sicherheit bedeuten.
Aber hier ist der Haken: In der Praxis bedeutet das oft, dass komplexe Produkte nun mit noch mehr Dokumentation verkauft werden. Mehr Daten, mehr Berichte, mehr Seiten von niemandem gelesen. Und wer zahlt das? Immer der Endkunde. Die Gebühren steigen, auch wenn niemand es merkt.
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Freund, der bei einer großen Bank arbeitet. “Die neuen Regulierungen?” sagte er. “Wir stellen zehn neue Compliance-Leute ein. Und die bezahlt natürlich nicht die Bank.”
Sondern?
Wer wirklich zahlt
Jeder, der ein ETF oder einen Fonds besitzt, der mit diesen Produkten handelt. Letztlich wir alle über die Gebühren. Die EU-Kommission feiert sich für mehr Transparenz – aber die Realität ist, dass wir in einer Welt leben, in der Informationen nicht das Problem sind.
Das Problem ist die Illusion, dass mehr Daten immer zu besseren Entscheidungen führen. Die Realität? Menschen treffen Entscheidungen – und zu viel Rauschen kann genauso schädlich sein wie zu wenig.
Was es für Sie bedeutet
Falls Sie in ETFs oder Einzelaktien investiert sind: Ab 2025 werden die Handelsplätze und Broker noch mehr Daten liefern müssen. Das kostet. Und wer zahlt? Letztlich wir alle über die Gebühren der Produkte.
Die Frage ist nicht, ob Transparenz gut ist – das ist sie. Die Frage ist, ob wir sie brauchen zu dem Preis. Besonders wenn wir bereits in der am meisten regulierten Finanzmarkt der Welt leben.
Mein Take? Ich bleibe bei einfachen, transparenten Produkten: ETFs auf breite Indizes, Einzelaktien von Unternehmen, die ich verstehe. Keine komplexen Derivate. Nicht wegen der Regulierung – sondern trotz.
Denn manchmal ist die beste Antwort auf mehr Informationen: “Nein, danke.”
Was denkt ihr?